Was mich bewegt

(Schul-) Kinder im Wandel der Zeit

Als ich mit sechs Jahren, die Schultüte im Arm, freudig und aufgeregt zum ersten Mal das Schulhaus betrat, so war das mein persönlicher Unabhängigkeitstag. Ich hatte großes Glück, was meine LehrerInnen betraf und liebte es, mich jeden Morgen erneut auf den Weg zu machen, um zur Schule zu gehen. Endlich war ich groß, endlich gehörte ich dazu.
Ich fühlte mich beschützt und sicher im Klassenzimmer. Es gab strebsame und weniger strebsame Kinder und auch der Klassenclown fehlte nicht. Kinder, die gerne lernten und Kinder, die sich schwer taten. Jungen, die gerne rauften und Mädchen, die lieber Gummitwist spielten.

Heute gehe ich wieder in die Schule. Sogar in mehrere. Ich unterstütze Kinder, die sich auf unterschiedliche Weise schwer tun mit den Anforderungen in der Schule. Die Stimmungen sind sehr unterschiedlich. Ich spüre Unruhe, konkurrierendes Verhalten, jedoch auch Suche nach Geborgenheit, nach “gesehen werden”. Kinder, die sich anvertrauen möchten. Hierfür fehlt jedoch meist Zeit und Raum. Neben den vielen Kindern, die auch heute noch gerne in die Schule gehen, sehe ich Kinder, die einsam sind. Kinder, die Sorgen und Nöte mit sich tragen. Kinder, die uns durch ihr auffälliges Verhalten auf ihre Not aufmerksam machen wollen. Gerade diese Kinder berühren mein Herz. Von Lehrern höre ich, dass es von Jahrgang zu Jahrgang mehr Kinder sind, die durch ihr Verhalten auffällig werden. Kinder, denen es scheinbar an sozialer, bzw. emotionaler Zuwendung und Kompetenz mangelt.

Der Lebens- und Begegnungsraum Schule erfordert Innovation. Erfordert neben Lehrern, Erziehern und anderen pädagogischen Fachkräften, die für Bildung und Erziehung sorgen auch Fachkräfte, die sich um das emotionale Wohl der Kinder kümmern. Die Familienstrukturen haben sich in den vergangenen Jahren verändert und viele Familien benötigen Unterstützung darin, ihre Kinder zu erziehen und emotional zu begleiten. Außerdem ist Schule mehr und mehr ein Begegnungsraum, der über das Lernen hinaus geht. Ein Großteil der Kinder halten sich ganztägig hier auf. Eine gute Gelegenheit, diesen Kindern auch soziale, bzw. emotionale Unterstützung anzubieten.

Hier eignet sich kreative Therapie ausgesprochen gut, weil Kinder eine große Bereitschaft zur Kreativität aufweisen. Sie lassen sich ein und finden in kreativen Medien Ausdruck für Dinge, die sie nicht benennen können. Kinder, die das Leben stumm gemacht hat, haben die Möglichkeit ihre Not durch einen Klang zum Ausdruck zu bringen und Resonanz zu erfahren und Kinder, die scheinbar “blindwütig” um sich schlagen, finden Raum, ihre Gefühlswelt in Begleitung neu zu erleben.
 
Ich wünsche jedem Kind einen Menschen, der es sieht, der sich um es sorgt, der es zwischendurch immer wieder fragt: “Wie geht es dir heute?” Ich wünsche jedem Kind einen Menschen, der sich emotional einlässt mit allen Risiken und Nebenwirkungen.