Eine Lebensentscheidung: Mutter sein!

Mutter. wer bin ich? Was macht mich aus? Welchen Wert habe ich in der Gesellschaft. Welchen Wert habe ich in meinem eigenen Empfinden?

Die Frage nach meinem Wert als Mutter in unserer Gesellschaft kann ich nicht wirklich beantworten. Er ist wohl dem Wert der Kinder angeglichen. Leider kann ich in keinen Gesten erkennen, ob es z. B. irgendwem aus der Politik etwas bedeutet, dass ich unserem Staat drei Jungbürger zugeführt habe. Dann eher dem Ferienhausbesitzer, der für seine Ferienwohnung in den Schulferien locker die doppelte Miete kassiert.

Mama? Wie oft am Tag (und in der Nacht) hörte und höre ich dieses Wort? Und eigentlich ist es immer gleich ein Fragewort. Mama? Ehrlich! Ich habe drei Kinder groß gezogen. Und es passiert mir immer noch manchmal, dass ich mit Ja? antworte, wenn ein völlig fremdes Kind direkt neben mir Mama? sagt. Die Autobahn in meinem Gehirn, die sich über mehr als 20 Jahre hat bilden können, hat tiefe Spurrillen hinterlassen.

Mutter sein ist kein Job auf Zeit. Auch wenn es mir gut gelingt, meine Kinder gehen zu lassen, so bleibe ich die Mutter. Ich möchte mich der Verantwortung stellen, die ich mit der Geburt meiner Kinder auf mich genommen habe. Bevor ich zum ersten Mal alleine Auto fahren durfte, musste ich in vielen Stunden das Fahren lernen. Bevor ich mein erstes Kind in den Armen hielt, habe ich allenfalls das Wickeln (an einer Puppe) gelernt. Ich war nicht vorbereitet auf die Kraft meiner Gefühle. Ich war nicht vorbereitet darauf, dass mein Kind mir spiegelt, wer ich bin. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass mein Kind kompromisslos Aufrichtigkeit und Wahrheit fordert.

In mühevollen und manchmal schmerzlichen (Nach)- Reifungsprozessen musste ich lernen, was es bedeutet, Mutter zu sein. Keinesfalls wollte ich es so machen wie meine Mutter. Aber wie dann? Woher sollte ich wissen, was ein Kind braucht? Nach einer Odyssee durch zahlreiche Erziehungsratgeber und manch fehlgeschlagenen Erziehungsversuchen, die meine Kinder mal mehr, mal weniger geduldig ertrugen, wurde mir klar, dass die Entscheidung, Mutter zu sein eine Lebensentscheidung sein würde. Das es mich nicht mehr los lassen würde, zu ergründen, warum (meine) Kinder so sind wie sie sind. Und noch bevor meine eigenen Kinder langsam den Kinderschuhgrößen entwuchsen, machte ich mich auch sogleich auf den Weg, um kreative Kinder- und Jugendlichentherapeutin zu werden. Und diese Entscheidung war sehr richtig. So kann ich doch alles, was meine Kinder mich in unendlichen Stunden des Glücks und der Angst, der Sorge und der Wut, der Schuld und des Verzeihens gelehrt haben und immer noch lehren, an andere Kinder (und Mütter) weitergeben. Hierfür bin ich dankbar.